Faires Gehalt: Wie viel Gehaltserhöhung pro Jahr ist angemessen?
Alle Beschäftigten kommen im Laufe ihrer Karriere irgendwann an den Punkt, an dem sie über eine Gehaltserhöhung nachdenken. Doch bei diesem Thema spielt nicht nur der richtige Zeitpunkt eine Rolle, sondern vor allem auch die Frage, welche Erhöhung realistisch ist. Vor einer Gehaltsverhandlung sollten Sie also wissen, welche Anpassung angemessen sein kann und wie Sie diese erfolgreich verhandeln können. Es gibt klare Richtlinien, die Auskunft darüber geben, mit welcher Gehaltserhöhung Sie pro Jahr rechnen können und welche Faktoren die Höhe Ihres Gehalts beeinflussen.
Haben Sie Anspruch auf eine jährliche Gehaltserhöhung?
Einen gesetzlichen Anspruch auf eine jährliche Gehaltserhöhung gibt es nicht. Ihr Arbeitsvertrag regelt die Vergütung, und ohne entsprechende Klausel oder Einstufung besteht für keine Verpflichtung zur Gehaltsanpassung. Dennoch ist in vielen Arbeitsverhältnissen eine regelmäßige Gehaltserhöhung üblich. Diese gleicht die Inflation aus und honoriert gute Leistungen.
Wenn Sie ihren Vorgesetzten auf eine Gehaltserhöhung ansprechen wollen, dann sollten Sie das Gespräch vorher gut planen und sich gründlich darauf vorbereiten. Grundsätzlich können Sie jederzeit um eine Gehaltsverhandlung bitten. Experten empfehlen, mindestens 12 bis 18 Monate zwischen zwei Gehaltsgesprächen verstreichen zu lassen. Besonders günstig sind beispielsweise folgende Zeitpunkte:
- nach erfolgreich abgeschlossenen Projekten
- bei einer Beförderung
- während des jährlichen Mitarbeitergesprächs
Wie viel Gehaltserhöhung pro Jahr ist realistisch?
Die Höhe einer angemessenen Gehaltserhöhung liegt typischerweise zwischen 3 und 10 Prozent. Bei kontinuierlich guter Leistung und ohne Positionswechsel können Sie mit 3 bis 5 Prozent rechnen. Diese Spanne gleicht die Inflation aus und honoriert Ihre Zuverlässigkeit. Bei überdurchschnittlicher Leistung, zusätzlicher Verantwortung oder besonderen Erfolgen sind 5 bis 8 Prozent möglich.
Eine Gehaltssteigerung von 8 bis 10 Prozent oder mehr erreichen Sie meist nur bei einer Beförderung, einem Jobwechsel oder wenn Sie bisher deutlich unter Ihrem Marktwert bezahlt wurden. Die durchschnittliche Lohnerhöhung in Deutschland liegt bei etwa 3 bis 4 Prozent pro Jahr. Ihre Forderung sollte realistisch sein und sich an diesen Werten orientieren.
Welche Faktoren beeinflussen die Höhe Ihrer Gehaltssteigerung?
Wie viel Prozent mehr Geld Sie bei der Gehaltsverhandlung fordern können, hängt von mehreren Faktoren ab, die sowohl Sie als auch das Unternehmen betreffen. Im Mittelpunkt steht dabei Ihre Leistung: Haben Sie die Unternehmensziele erreicht oder übertroffen? Welche messbaren Erfolge können Sie vorweisen? Und haben Sie zusätzliche Verantwortung übernommen oder neue Aufgabenbereiche erschlossen? All diese Aspekte rechtfertigen eine höhere Gehaltsanpassung. Auch die Dauer Ihrer Betriebszugehörigkeit kann ein Argument sein, sollte aber nicht der einzige Grund bleiben.
Ihr Marktwert ist ein weiterer entscheidender Faktor. Recherchieren Sie, was Arbeitnehmer in vergleichbaren Positionen verdienen. Branche, Berufserfahrung, Qualifikationen und der Standort beeinflussen dabei, wie Ihre Arbeitskraft eingeschätzt wird.
Und letztendlich spielen auch die Erträge des Unternehmens eine wichtige Rolle. In profitablen Zeiten sind spürbare Erhöhungen wahrscheinlicher als in Krisen.
Überzeugende Argumente für Ihre Gehaltsverhandlung
Für ein erfolgreiches Gehaltsgespräch sollten Sie gut vorbereitet sein. Sammeln Sie konkrete Argumente, die Ihren Wert als Arbeitnehmer für das Unternehmen belegen. Dokumentieren Sie dazu Ihre Erfolge aus den letzten Monaten:
- Welche Projekte haben Sie erfolgreich abgeschlossen?
- Konnten Sie Kosten senken oder Umsätze steigern?
- Haben Sie zusätzliche Qualifikationen erworben und sich weitergebildet?
- Haben sich Ihre Verantwortungsbereiche inzwischen erweitert? Haben Sie dadurch mehr Führungsaufgaben übernommen?
Vor allem von messbaren Ergebnissen sind Vorgesetzte überzeugt, da sie Ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg sichtbar machen.
Präsentieren Sie im Gespräch auch aktuelle Marktdaten: Zeigen Sie, dass Ihr Gehalt unter dem Branchendurchschnitt liegt. Betonen Sie dabei Ihre Loyalität und Ihr Engagement für das Unternehmen. Vermeiden Sie jedoch Vergleiche mit Kollegen oder persönliche Gründe wie gestiegene Lebenshaltungskosten durch neue Hobbys. Das sind keine überzeugenden Argumente für eine Erhöhung.
Formulieren Sie Ihr Wunschgehalt klar und begründen Sie Ihre prozentuale Forderung nachvollziehbar. Gehen Sie mit einer konkreten Zahl in die Verhandlung, aber zeigen Sie sich kompromissbereit. Manchmal bieten Arbeitgeber alternative Benefits an, wenn eine sofortige Gehaltserhöhung nicht möglich ist.
Tipps für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung
- Timing ist entscheidend: Wählen Sie einen Zeitpunkt, an dem Sie kürzlich Erfolge erzielt haben oder das Unternehmen wirtschaftlich gut dasteht.
- Vermeiden Sie Gespräche in stressigen Phasen oder wenn Ihr Arbeitgeber gerade Kosteneinsparungen vornimmt.
- Das jährliche Mitarbeitergespräch bietet oft den idealen Rahmen, um das Thema Geld anzusprechen.
- Nutzen Sie mehrere Wochen zur Vorbereitung auf das Gespräch: Erstellen Sie eine Liste Ihrer Leistungen, recherchieren Sie Gehaltsdaten Ihrer Branche und überlegen Sie sich Ihre Argumente.
- Üben Sie das Gespräch mit Freunden oder Familie.
- Gehen Sie selbstbewusst, aber nicht fordernd in die Verhandlung.
- Hören Sie aktiv zu und reagieren Sie flexibel auf die Reaktion Ihrer Vorgesetzten.
Falls Ihr Arbeitgeber Ihren Vorschlag ablehnt, fragen Sie nach den Gründen und nach konkreten Zielen, die Sie erreichen müssen. Behalten Sie einen Folgetermin in einigen Monaten im Sinn, an dem Sie dann das Thema erneut auf den Tisch bringen. Manchmal ist eine schrittweise Erhöhung über das Jahr verteilt eine Alternative zur einmaligen Gehaltsanpassung.
Gehaltsgruppen im öffentlichen Dienst mit automatischer Gehaltserhöhung
Wie viel Prozent Gehaltserhöhung pro Jahr drin ist, ist im öffentlichen Dienst oft weniger Verhandlungssache als in der freien Wirtschaft. Wie stark und wann Ihr Gehalt steigt, ergibt sich automatisch aus dem Arbeitsvertrag und den geltenden Tarifverträgen. Das Einkommen orientiert sich dabei an festen Entgeltgruppen. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) regelt die Bezahlung für Bund und Kommunen, während Länder den TV-L anwenden. Die Einstufung erfolgt nach Qualifikation und Aufgabenbereich.
Einstufung nach Qualifikation
Die jeweilige Entgeltgruppe bestimmt die Höhe Ihrer möglichen Gehaltserhöhungen. Beschäftigte ohne Berufsausbildung werden typischerweise in die Entgeltgruppen E1 bis E4 eingestuft. Mit abgeschlossener Berufsausbildung erfolgt die Eingruppierung in E5 bis E9. Fachhochschulabsolventen starten meist in E9 bis E12, während Universitätsabsolventen in E13 bis E15 einsteigen. Welche Gruppe und welches Gehalt konkret gelten, hängt letztendlich von der Tätigkeit und Verantwortung ab.
Stufenweise zu mehr Gehalt
Innerhalb jeder Entgeltgruppe existieren außerdem sechs Erfahrungsstufen. Mit zunehmender Berufserfahrung steigen Sie automatisch nach festgelegten Zeiträumen in höhere Stufen auf – und kriegen damit mehr Gehalt: nach einem Jahr in Stufe 2, nach weiteren zwei Jahren in Stufe 3, dann nach jeweils drei Jahren in die Stufen 4 und 5. Stufe 6 mit noch mehr Gehalt erreichen Sie nach weiteren vier Jahren. Diese regelmäßigen Stufenaufstiege sorgen für Gehaltserhöhungen ohne separate Verhandlungen. Deutlich höhere Gehaltssteigerungen ergeben sich meist erst, wenn Sie eine anspruchsvollere Position übernehmen und damit in eine höhere Entgeltgruppe eingestuft werden. Insgesamt bietet der öffentliche Dienst also vergleichsweise eine verlässliche und planbare Gehaltsentwicklung.