„Neue berufliche Herausforderung“: Tipps für Formulierungen im Anschreiben
„Ich suche eine neue berufliche Herausforderung.“ Schon zum zehnten Mal in einer Stunde liest der Personaler genau diesen Satz. Gelangweilt legt er das Anschreiben beiseite, „der nächste Kandidat, bitte“. Ihnen soll es im Bewerbungsprozess anders ergehen? Dann vermeiden Sie die umstrittenen sechs Wörter beim Jobwechsel. Mit diesen Tipps und Formulierungen rücken Sie sich und Ihre Motivation in ein besseres Licht.
Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung – was kommt beim Personaler an?
Im ersten Moment wirkt die Formulierung „Ich suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung“ wie die ideale Einleitung im Bewerbungsschreiben. Herausforderung – das klingt nach Weiterentwicklung – positiv, dynamisch, motiviert. So empfindet es zumindest der Bewerber. Der Personaler aber sieht das oft anders. Für ihn ist es nur eine weitere Floskel, die seine Lust am Weiterlesen mindert. Schließlich hat es sich dieser Kandidat bei seiner Wechselmotivation offensichtlich zu einfach gemacht. Anstatt dem Unternehmen einen klaren Grund für den Jobwechsel zu nennen, flüchtet er sich lieber in allgemeine Erklärungen. Kreativität, Offenheit und Engagement sehen anders aus.
Aber dem noch nicht genug: Nicht selten lesen Unternehmen in den sechs Wörtern auch eine miserable Arbeitseinstellung heraus. Ungewollt projiziert der Bewerber damit negative Eigenschaften auf sich. Womöglich fühlt er sich in seinem aktuellen Job unterfordert und gelangweilt. Er sucht nach einer beruflichen Herausforderung, nach einer Fluchtmöglichkeit. So geht es bei dem Jobwechsel weniger um die ausgeschriebene Stelle als um einen schnellen Abgang.
Nicht aber nur eine Unterforderung ist denkbar. Viele Bewerber deuten mit der Floskel „Ich suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung“ indirekt auch eine Überforderung an. Für die Personalabteilung ist nicht auszuschließen, dass der Kandidat von den Anforderungen und Aufgaben in seinem aktuellen Job überfordert ist. Mit dem Jobwechsel will er sich oft nur mehr Ruhe und Gelassenheit in der Arbeit verschaffen.
Jobwechsel begründen: So gehen Sie es professioneller an.
Wer im Anschreiben seine Wechselmotive plausibel darlegen will, gerät schnell in Erklärungsnot. Wie lässt sich der gewünschte Jobwechsel erklären, ohne sich als Kandidat gleich ins Aus zu katapultieren? Zum Glück können Bewerber die Wechselmotivation auch elegant und glaubwürdig präsentieren. Hier sind drei Beispiele, die besonders gut in der Personalabteilung ankommen:
1. Persönliche Wechselmotive
Im Idealfall hat ein Jobwechsel nicht direkt mit dem aktuellen Arbeitgeber zu tun. Umso besser kommen beim Personaler persönliche Wechselmotive an. Arbeiten in einem Job mit einer besseren Work-Life-Balance? Ein sympathischer Grund, den die Personalabteilung meist gut nachvollziehen kann. Das kann zum Beispiel ein geplanter Umzug sein, der die Entfernung zum Arbeitsplatz erhöht. So sieht man sich lieber nach einem neuen Unternehmen um, das näher am Wohnort liegt. Dann bleibt am Ende des Tages auch mehr Zeit für das Privatleben, zum Beispiel für Familie, Sport und Freunde.
2. Neue Aufgaben und Branchenwechsel
Lange Zeit hat der Bewerber in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet. Nun sieht er sich nach einem Großkonzern um, der auch international tätig ist. Das Ziel: ein breiteres Berufsnetzwerk, spannende Kontakte, abwechslungsreichere Aufgaben. Oder wie wäre es mit einem Job in einer neuen Branche? Wer seine Expertise viele Jahre im selben Feld eingebracht hat, kann sich durchaus nach einem neuen Umfeld sehnen.
3. Weiterentwicklung im Job
Viele Arbeitnehmer möchten sich in ihrem Job weiterentwickeln. Die einen wünschen sich mehr Gehalt, die anderen mehr Benefits. Ein weiterer Grund: mit Führungsverantwortung arbeiten. Wichtig ist nur, den Grund für den Wechsel im Bewerbungsschreiben deutlich zu machen – nicht nur mit den Worten „Ich suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung“. Liefern Sie dem Personaler einen unmissverständlichen Grund. Gehen Sie in der Bewerbung konkret auf den Mehrwert des Jobwechsels für Sie ein – von finanziellen Anreizen über wertvolle Führungskompetenzen bis hin zu persönlichen Herausforderungen wie Konfliktlösung.
Tipps für das Anschreiben, um den Jobwechsel plausibel zu begründen
Für den Bewerber ist der Jobwechsel meist klar nachvollziehbar, für den Personaler aber oft nicht. Wie also kann der Kandidat dem Arbeitgeber seine Motive unmissverständlich kommunizieren? Mit diesen Tipps für das Anschreiben und das Vorstellungsgespräch können Sie beim Arbeitgeber punkten:
- Motivation ist bei der Bewerbung die halbe Miete. Sie müssen als Bewerber Ihr Engagement und Ihre Begeisterung für den Arbeitnehmer und die Position herausstellen, sowohl im Anschreiben als auch im Bewerbungsgespräch. Vorbereitung spielt hier eine Schlüsselrolle. Als vorbildlicher Kandidat machen Sie sich mit dem Unternehmen vertraut und bringen Ihre Kenntnisse glaubwürdig mit der ausgeschriebenen Tätigkeit in Verbindung. Handelt es sich zum Beispiel um eine Rolle als Marketing Manager in einer Werbeagentur, punkten Sie mit Ihrer langjährigen PR- und Marketingerfahrung. Der kurze Abstecher ins Gesundheitswesen hingegen hat hier im Bewerbungsschreiben nichts zu suchen.
- Welchen Nutzen hat der Arbeitgeber von Ihnen als Bewerber? Empathie, Führungskompetenz, Diplomatie? Ein gutes Bewerbungsschreiben hält die Vorteile schwarz auf weiß fest.
- Auf den roten Faden kommt es bei der Bewerbung an. Wer im Vorstellungsgespräch plötzlich eine andere Motivation hat als im Bewerbungsschreiben, verspielt den Vertrauensvorschuss der Personalabteilung.
10 Formulierungen für „Ich suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung“
- Erfahrungen und Kenntnisse betonen: „In den letzten drei Jahren habe ich schwerpunktmäßig im Bereich X gearbeitet, was ich nun gerne bei Ihnen einbringen möchte.“
- Interesse am Arbeitgeber bekunden: „Die Stelle hat mich sogleich angesprochen, da ich bereits über einschlägige Erfahrungen und Expertise im Bereich X verfüge.“
- Berufliche Neuorientierung begründen: „In den vergangenen Jahren habe ich zahlreiche Projekte im Sektor X mit Erfolg zum Abschluss gebracht. In Zukunft möchte ich meine fachlichen und persönlichen Fähigkeiten nun bevorzugt in den Bereichen A und B unterbringen.“
- Berufliche Veränderung wegen Umzugs: „Ab dem [Datum] darf ich [Ort] als meinen neuen Wohnort bezeichnen, an dem ich auch meine berufliche Zukunft vor mir sehe. Daher bin ich auf der Suche nach einer passenden Stelle wie Ihrer Position als X, wo ich mich als erfahrener Y beweisen kann.“
- Berufliche Veränderung nach Fortbildung: „Kürzlich habe ich meine Weiterbildung zum X erfolgreich absolviert. Mein Ziel: Künftig möchte ich meine neuen Fähigkeiten zusammen mit meinem Fachwissen als Y bei Ihnen unter Beweis stellen.“
- Wunsch nach beruflichem Aufstieg begründen: „In den letzten Jahren habe ich unseren Abteilungsleiter bereits mehrmals vertreten. Dabei konnte ich mir umfangreiches Wissen im Bereich A und B aneignen – so wie erste Führungserfahrung. Und das alles möchte ich nun gerne als X in Ihrem Unternehmen umsetzen.“
- Wunsch nach beruflicher Entlastung: „Nach zahlreichen Jahren als Abteilungsleiter bei Y möchte ich nun wieder als Fachkraft tätig werden.“
- Reaktion auf Stellenabbau beim Arbeitgeber: „Leider findet bei X derzeit ein umfangreicher Stellenabbau statt. Aus diesem Grund sehe ich mich nach einer ansprechenden neuen Position in der Branche A um. Ihre Position bringt alles mit, was ich mir von meinem künftigen Job wünsche.“
- Internationale Tätigkeit: „Nach einigen Jahren im mittelständischen, nationalen Umfeld sehe ich mich nun nach einem internationalen Arbeitgeber um. Umso gelegener kommt mir die ausgeschriebene Stelle als Y. Mein Ziel ist es, meine Erfahrungen und Fähigkeiten einzubringen und ein internationales Netzwerk aufzubauen.“
- Wunsch nach vielfältigeren Aufgaben: „Meine bisherige Tätigkeit hat mir umfangreiche Einblicke in den Bereich X ermöglicht. Nun suche ich eine Position, in der ich dieses Wissen einbringen und gleichzeitig ein breiteres Aufgabenspektrum übernehmen kann.“
Auch Sie denken über einen Wechsel nach? Über eine neue berufliche Herausforderung? Dann sehen Sie sich in Ruhe bei uns auf rz-stellen.de um und finden Sie den perfekten neuen Job – mitsamt passender Formulierungen für Ihre Bewerbung.